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    Glasfaserausbau in der VG Bodenheim rückt in greifbare Nähe

    Höhle der Löwen für fünf Unternehmen im Verbandsgemeinderat

    „Was für ein tolles Format, fünf Bewerber um den Glasfaserausbau in der Verbandsgemeinde Bodenheim in einen öffentlichen Pitch zu schicken“, so die einleitenden Worte des Vertreters von Liberty Networks vor seinem Vortrag in der Sitzung des Verbandsgemeinderates am 16.11.2021.

    Tatsächlich gab es nur einen öffentlichen Tagesordnungspunkt:fünf Bewerber um einen privatwirtschaftlichen Glasfaserausbau für das gesamte Gemeindegebiet stellten sich vor und warben für ihr Unternehmen. Dies ist übrigens auch die Bedeutung des Begriffs ‚Pitch‘; für all diejenigen, die seltener TV-Formate wie Höhle der Löwen sehen. Im Hintergrund der Bewerber stehen internationale Investoren aus Kanada und Australien, europäische Investoren, aber auch deutsche Finanzmittel sind im Spiel. Zur Vorstellung hatten sich die Deutsche Telekom, Liberty Networks, EWR, Deutsche Glasfaser und Unsere Grüne Glasfaser angemeldet.

    Bürgermeister Dr. Scheurer freute sich: „Mit der Erstellung unserer, aus Bundesmitteln geförderten Gigabitstudie ergab sich der Anstoßeffekt, der nun von fünf Unternehmen aufgenommen wurde! Offensichtlich sind wir als Verbandsgemeinde für ein Investment doch sehr interessant. “Die Studie war bereits in der Septembersitzung dem Rat vorgestellt worden. Nach einer konkreten Abfrage der Ausbaupläne bei den relevanten Anbietern zeigten diese die verschiedenen Szenarien eines weiteren Ausbaus auf. Die Kosten zur Deckung einer möglichen Wirtschaftlichkeitslücke lägen zwischen 10,7 Mio. € und 15,8 Mio. €. Selbst mit einem möglichen Bundeszuschuss von 50% wäre das noch ein äußerst stattlicher Betrag für die Verbandsgemeinde. „Daher freue ich mich, dass es nun fünf Unternehmen gibt, die sich privatwirtschaftlich der Herausforderung stellen und ganz ohne öffentliche Mittel eine Erschließung aller noch nicht mit Gigabitanschlüssen versorgten Haushalte durchführen wollen“, so Scheurer.

    Wie Fachbereichsleiter Rouven Schnurpfeil berichtet, gibt es durchaus verschiedene Ansätze: „Mancher Bewerber möchte vor dem Ausbau eine Vorvermarktung durchführen, also zunächst eine gewisse Anzahl von Anschlüssen im eigenen Tarif vertraglich sichern. Andere werben damit, ein offenes Netz bauen zu wollen, in dem ohne Vorvermarktung ausgebaut wird und der Anbieter grundsätzlich frei gewählt werden kann.“ Vor- und Nachteile der Ansätze gelte es nun abzuwägen. Einerseits gäbe es nämlich immer wieder Berichterstattungen über nicht erreichte Quoten, andererseits auch über fehlende Netznutzungsverträge zwischen Dienstanbietern und Netzbetreibern. Zur Unterstützung der Entscheidungsfindung hat sich die Verbandsgemeinde den TÜV Rheinland Consulting als fachkundigen Breitbandberater an Bord geholt.

    „In jedem Fall stehe auch die Bauweise der Erschließung im Fokus“, so Scheurer weiter, „Bauweisen, die eine günstige und schnelle Erschließung ermöglichen sollen, sorgen oftmals für unschön aufgeschlitzte Asphaltdecken in den Straßen.“ Hier gibt es berechtigte Vorbehalte seitens der Ortsgemeinden. Die Verbandsgemeindeverwaltung strebt eine nachhaltigere Umsetzung an“, erläutert Schnurpfeil. Gepflasterte Straßen oder Gehwegbereiche seien hingegen weniger problematisch. „Die Aussagen der Unternehmen stimmen mich optimistisch, dass geeignete Ausbauverfahren gefunden werden können“, attestiert Bürgermeister Dr. Scheurer.

    Die Unternehmensvorstellungen wurden begleitet von kritischen Nachfragen der Löwen aus der Mitte des Rates. Während die Ortsbürgermeister Ausbaustandards hinterfragten, gingen die Fragen der Fraktionen zudem in Richtung Qualifikation der Bauunternehmen, Zahlung von Tariflöhnen und der Leitungsdokumentation für spätere Eingriffe in die ausgebauten Straßen.

    Es ist vorgesehen, dass der Verbandsgemeinderat in seiner Sitzung am 21.12.2021 entscheidet, mit welchem Bewerberunternehmen eine Kooperation eingegangen werden soll.

    Eckdaten der Bewerber:
    - Deutsche Glasfaser, Vorvermarktungsquote 33%, möglicher  Baustart 2022, Investoren aus Schweden und Kanada
    - Deutsche Telekom, ohne Vorvermarktung, möglicher Baustart  2023/2024 in Abschnitten, ggf. mit Investor aus
      Australien
    - EWR, Vorvermarktungsquote 40% in Lörzweiler, Harxheim und  Nackenheim, möglicher Baustart Mitte 2023 in
      Abschnitten bzw. zusammen mit anderen EWR-Maßnahmen, regionales  Investment
    - Liberty Networks, Vorvermarktungsquote 30%, möglicher Baustart 2022, Investoren aus Großbritannien und
      Frankreich
    - Unsere Grüne Glasfaser, ohne Vorvermarktung, möglicher  Baustart 2022, Investoren aus Spanien und Deutschland

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