Bildbeschreibung: Logo Klimaschutz und Logo Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit / Bildnachweis: VG Bodenheim und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

    Die energetische Sanierung der Grundschule Lörz-weiler

    Die ausgewählte Maßnahme der Verbandsgemeinde Bodenheim im Rahmen der Klimaschutzmanagerförderung der Kommunalrichtlinie im Rahmen der Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Klimaschutz in Kommunen, sozialen und kulturellen Einrichtungen).

    Der Umwelt- und Klimaschutz stellen seit vielen Jahren ein bedeutsames Aufgabenfeld in der Verbandsgemeinde dar. Mit Fertigstellung des Klimaschutzkonzepts im August 2013 wurde ein wesentlicher Meilenstein geschaffen. Das darin enthaltene „Klimaschutzteilkonzept eigene Liegenschaften“ gibt neben dem „Klimaschutzteilkonzept Wärme“ eine Zielrichtung vor, die mit der Realisierung der ausgewählten Maßnahme durch die Verbandsgemeinde eingehalten werden soll.

    Bei der zurzeit durchgeführten ausgewählten Maßnahme handelt es sich um die energetische Sanierung der Grundschule in Lörzweiler, welche auch im Teilkonzept des Klimaschutzkonzeptes als wichtige Liegenschaft zur energetischen Sanierung identifiziert wurde. Das Schulgebäude wird nun umfänglich energetisch saniert und danach dem aktuellen Stand der Technik sowie den derzeit geltenden Richtlinien und Vorgaben der EnEV entsprechen. Hierdurch soll der Primärenergieverbrauch des sanierten Gebäudekomplexes um bis zu 85% reduziert werden und eine CO2-Einsparung der gesamten Grundschule von über 80% erzielt werden.

    Sichtbarkeit und Ausstrahlungswirkung des Projekts als exemplarischer Meilenstein bei der Umsetzung des KlimaschutzkonzeptsSichtbarkeit und Ausstrahlung des Projekts als exemplarischer Meilenstein bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts

    Es wurde bewusst eine Schule für dieses Modellprojekt ausgewählt. Diese hat aufgrund ihrer Lehrfunktion eine besondere Bedeutung im Rahmen der Wissensvermittlung von Klimaschutz für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Verwandte sowie das Lehrerkollegium. Die Grundschule „Am Alten Schloss“ ist zudem durch Veranstaltungen und Feiern so in den Gemeindealltag der 2.300 Einwohner eingebunden, dass auch die Allgemeinheit die zum Klimaschutz vorgenommenen Maßnahmen erkennen werden.

    Die äußerliche Sichtbarkeit des Projekts ist vor allem im Nahbereich durch die neue Dämmung gegeben. Die Ausstrahlungswirkung des Projekts soll sich jedoch vor allem in der Nutzung von regenerativen Energien und der damit verbundenen CO2-Einsparung wiederfinden sowie mit der ganzheitlichen Betrachtung der verwendeten Rohstoffe, der Nutzung modernster Software zur Steuerung und Überwachung der Anlagen und der Möglichkeit zur Auslesung der Energiedaten.

    Die Vorlage konkreter Zahlen eines anschaulichen Beispiels sind der beste Weg, Menschen zu einem Wechsel auf regenerative Energien und zur CO2 Einsparung zu motivieren.

    Das Projekt wurde auch bereits anderen Klimaschutzmanagern und Kommunen der Region vorgestellt, um diese für diese Art der energetischen Sanierung zu begeistern und um ihnen zu zeigen, wie eine Überwachung der Energieverbräuche einer kommunalen Liegenschaft jederzeit problemlos möglich sein kann. Dies überzeugte bereits so sehr, dass sich bereits die ersten Kommunen hierdurch inspirieren lassen haben.


    Bisher realisierte Maßnahmen

    Mit der energetischen Sanierung wurde in den Osterferien 2018 begonnen. Hier fanden Vorbereitungsmaßnahmen für die Dämmung des Gebäudes B-D statt.

    Abbildung 1: Alter Zustand vor Dämmung und Dachanpassung

    Vollständige Dämmung des Gebäudes B-D in den Sommerferien 2018:

    Mit den Maßnahmen des Heizungsaustauschs wird nach dem Ende der aktuellen Heizperiode 2018/2019 begonnen werden.

    Ausführlicher Arbeits- und Umsetzungsplan

    Ausführlicher Arbeits- und Umsetzungsplan

    1. Erneuerung des Heizungssystems:

    • Die bisherige Gasheizung soll durch eine moderne und umweltfreundliche Pelletheizung ersetzt werden. Mit Hilfe dieser kann auch primär eine CO2-Einsparung von über 80% erzielt werden. Der Biomasseheizkessel mit Unterschubfeuerung soll hierbei eine Leistung von 120 kW aufweisen und von einem Pelletsilo mit 9 Tonnen Fassungsvermögen gespeist werden. Im Rahmen des Kesseltauschs soll dann auch die gesamte Heizungsanlage mit Heizungspumpen, Pufferspeicher, Druckbehälter etc. ausgetauscht werden. Unter anderem sollen die neuen Heizungspumpen auch mit Schnittstellen ausgestattet sein, um diese später mit der GLT und dem Energiemonitoring überwachen und ansteuern zu können. Dies gewährt einen optimalen, energieeffizienten Einsatz der gesamten Anlage.

      Auch soll eine Effizienzsteigerung der Raumerwärmung durch den Einbau von Raumbediengeräten erzielt werden, mit welchen dann die Thermostate gesteuert werden können. Hierdurch kann über die GLT eine Fernsteuerung der Räume erfolgen und so beispielsweise in den Ferien die Temperatur über den Fernzugriff heruntergefahren werden.


    2. Dämmung des Gebäudes A und des Gebäudekomplexes B-D mit allen hierfür notwendigen Maßnahmen, z.B. der Verlängerung des Dachüberstandes:

    • Die gedämmten Wände sollen nach den investiven Maßnahmen einen U-Wert von 0,234 W/m²K aufweisen und damit den Anforderungen der EnEV 2016 mit einem U-Wert von 0,24 W/m²K entsprechen.

    • Zum Einsatz kommt ein nachhaltiges, ökologisches Wärmedämm­verbundsystem (WDVS). Dieses hat den Vorteil, dass es nicht nur während der Nutzung, sondern bereits bei der Herstellung einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leistet. Dank der positiven Öko-Bilanz wird mehr Energie eingespart als für die Herstellung benötigt wird. Das Material des WDVS besteht aus natürlichen Rohstoffen und ist mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel – schützt das Klima“ ausgezeichnet. Voraussetzung für die Zuweisung des Blauen Engel-Signums ist, dass sämtliche Systemkomponenten des WDVS aus umweltfreundlichen Materialien und Werkstoffen hergestellt werden. Das bedeutet, dass die Dämmstoffe keine halogenierten organischen Verbindungen als Treib- und Flammschutzmittel enthalten sowie die Putz- und Schlussbeschichtungen frei von Bioziden sind. Wichtig für den Einsatz im öffentlichen Raum ist auch die Dauerhaftigkeit und Nichtbrennbarkeit. Daher handelt es sich um ein nicht brennbares WDVS mit verdichteten Mineralwolle- oder Steinlamellen-Dämmplatten. Die Mineralwolledämmplatten werden aus natürlichen Rohstoffen wie Basalt, Sand, Kalkstein und Dolomit oder Recyclingmaterialien wie Altglas hergestellt. Mineralwolldämmstoffe haben hervorragende Dämmeigenschaften und sind gesund­heitlich unbedenklich zu verarbeiten. Weitere Vorteile sind ein optimierter Schall- und Brandschutz, eine hohe Alterungsbeständigkeit sowie besondere Wirtschaftlichkeit.

    • Für die Oberflächengestaltung kommen keramische Beläge, Silikat-Putz HP, Mineral-Leichtputz und Silikat-Fassadenfarbe zum Einsatz. Das Hybrid-Konzept (HP) sorgt durch gekoppelte Wirkmechanismen für doppelten Schutz. Der erste Schutzmechanismus basiert auf einem physikalisch optimierten Wasserhaushalt. Er sorgt dafür, dass Feuchtigkeit schnell von der Anstrichoberfläche abtransportiert wird. Der zweite Schutzmechanismus resultiert aus dem nährstofffreien Anstrichfilm. Durch die sorgfältige Auswahl von Pigmenten, Füllstoffen und Silikaten bietet der Anstrichfilm von Silikat-Fassadenfarbe Algen und Pilzen nahezu keinerlei Nährstoffe und vermindert auch ohne den Einsatz von Bioziden langfristig einen Bewuchs der Fassadenflächen.


    3. Einbau einer Lüftungsanlage:

    • Da durch den Einbau der Dämmung eine vorher nicht vorhandene Luftdichtigkeit der Räume hergestellt wird, sollen alle Aufenthaltsräume mit einer Lüftung ausgestattet werden. Die Lüftungsgeräte werden mit einem Enthalpie-Wärmetauscher ausgestattet und mit einer Kanal-Gegenstrom-Wärmeübertragung mit einem maximalen Wärmebereitstellungsgrad von ~80% und zusätzlicher Feuchteübertragung arbeiten. Dies dient durch Sicherstellung einer ausreichenden Frischluftversorgung dem Erhalt der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler wie auch der Vermeidung von Schimmelbildung in den Räumlichkeiten. Zur kontrollierten Lüftungssteuerung verfügen die Einzelraumlüftungsgeräte über eine bedarfsgeführte Steuerung mit Wochenzeitschaltuhr, einem CO2-Luftgütesensor und einem Pausenschalter. Dieser ermöglicht alleine in der Pause einen maximalen Luftwechsel durch einen 100% Luftvolumenstrom sowie die Möglichkeit der Aufschaltung auf eine übergeordnete GLT-Anlage mittels Modbus und BACnet Schnittstelle.

     

    4. GLT mit Energiemonitoring:

    • Die bereits mehrfach erwähnte Gebäudeleittechnik mit Energiemonitoring bildet anfangs einen kleinen Teil der energetischen Sanierung. Sie wird später jedoch eines der wichtigsten Arbeitsmittel für den Gebäudebetrieb und die Kontrolle des Energieverbrauchs mit der Ermittlung der CO2-Einsparung sein. Wie ebenfalls mehrfach erwähnt, sollen alle technischen Erneuerungen zukünftig über die GLT gesteuert und mit dem Energiemonitoring überwacht werden. Somit wird eine ständige, nutzerangepasste Nachregelung per Fernzugriff möglich, um so gegebenenfalls auch den Verbrauch optimiert zu reduzieren. Hierfür ist das zugehörige Energiemonitoring unabdingbar, da dieses zuverlässig aktuelle Verbrauchsdaten, unter anderem auch die CO2 Einsparung für einzelne Systeme oder das ganze Gebäude, minutengenau liefert.