Bildbeschreibung: Die Büste Carl Zuckmayers am Nackenheimer Rathaus / Bildnachweis: VG BodenheimDie Büste Carl Zuckmayers am Nackenheimer Rathaus

    Carl Zuckmayer

    Theater in Nackenheim

    Scheinbar eines von unzähligen Weingütern - gelegen in Nackenheim in der letzten Kurve an der Straße nach Worms: Gunderloch-Usinger. Beim literarisch Bewanderten klingelt es: "Gunderloch - ist das nicht die Figur des alten Winzers, der sein Gut verkaufen möchte, um sich einen geruhsamen Lebensabend im Taunus zu gönnen?" Richtig, einen Gunderloch gab es wirklich und Carl Zuckmayer hat ihn in seinem Stück Der fröhliche Weinberg verewigt.

    Szenenfoto aus dem Stück "Der fröhliche Weinberg"Zurück ins Weingut. Auf dem Hof stehen Pavillonzelte und Autos, Arbeiter rangieren Paletten mit vollen Flaschen und es scheint ein Tag wie jeder andere. Scheint. Gleich beginnt die Generalprobe für den Fröhlichen Weinberg, in drei Tagen ist die diesjährige Premiere. Die Kelterei ist umfunktioniert zur Garderobe, die Laienschauspieler der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft, die gar nicht spielen wie Laien, werfen sich in Schale und werden "von der Maske" an einem improvisierten Schminktisch zurechtgepudert.

    Draußen im Garten ist die Bühne aufgebaut, ein Schauspieler kehrt sie sauber und diejenigen, die erst zum Schluss des ersten Aktes dran sind, verdrücken noch schnell eine Pizza. Alles Routine und doch liegt Spannung in der Luft: der erste komplette Durchlauf vor geladenem Publikum.


    Man ist stolz auf den "großen Sohn" des Ortes 

    Das war nicht immer so. Als Der Fröhliche Weinberg 1925 in Berlin uraufgeführt wurde und einen solchen Erfolg hatte, dass er ununterbrochen zweieinhalb Jahre lang gespielt wurde, hatte Zuckmayer seinen großen Durchbruch.

    Szenenfoto aus dem Stück "Der fröhliche Weinberg"Der alte, echte Gunderloch und andere Nackenheimer fühlten sich aber auf den Schlips getreten und lehnten das Stück ab. Bei der Aufführung in Mainz kam es zu Tumulten, Bauernschat aus dem Umland reiste an und demonstrierte: Carlche komm nach Nackenheim, du sollst uns hoch willkommen sein! Wir schlagen krumm und lahm dich all, und sperrn dich in de Schweinestall, denn da gehörste hi'.

    Nach dem Krieg aber versöhnte sich das Dorf mit dem berühmten Sohn und verlieh ihm 1952 die Ehrenbürgerschaft.


    Zuckmayer wurde 1896 in Nackenheim geboren,

    sein Vater betrieb die dortige Weinflaschen-Kapselfabrik. Als der Knabe vier Jahre alt war, zog die Familie nach Mainz.

    Szenenfoto aus dem Stück "Der fröhliche Weinberg"Carl schrieb seine erste Lyrik als Heranwachsender, 1914 scheiterte die erste Veröffentlichung eines pazifistischen Gedichtes am Ausbruch des Krieges. Der junge Dichter Carl hatte aber damals noch patriotische Gefühle, meldete sich freiwillig und wurde Offizier.

    Nach dem Ersten Weltkrieg waren Frankfurt und Heidelberg die Schauplätze eines bohemehaften Studentenlebens: Danach sammelte er als Dramaturg an diversen Theatern Erfahrung. Er arbeitete auch mit Bertolt Brecht zusammen und hatte seine größten Erfolge mit den Stücken Der Hauptmann von Köpenick und Des Teufels General - beide seit Jahrzehnten etabliert im deutschen Bildungsgut.

    Seiner Heimat blieb Carl Zuckmayer durch die Figuren seiner Stücke immer verbunden. Früh aber zog er raus in die Welt und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Österreich, in den USA im Exil und schließlich in der Schweiz, wo er im Jahre 1977 starb.